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Digitalisierung im Gesundheitswesen

 Interview mit Helmut Gerhard, CDO DAK Gesundheit 

  1. Warum ist die Digitalisierung für das Gesundheitswesen wichtig und welchen Chancen sehen Sie?

    Wir stehen drei wesentlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen gegenüber, auf die wir Antworten finden müssen und Digitalisierung ein sehr wichtiger Teil dieser Antworten sein wird.

    Der Bürger und Patient steht im Mittelpunkt des Handelns

    Zunächst sind da die Patienten und Versicherten, die in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft, der Freizeitgestaltung und des kulturellen Lebens ihre Einkäufe und Buchungen unabhängig von Orten und Öffnungszeiten online und mobil erledigen können. Diese Entwicklung ist verbunden mit einer Erwartungshaltung der Menschen, die sich wandelt: Die von führenden Digitalunternehmen gelebte strikte Kunden- und Serviceorientierung, die hohe Transparenz der Prozesse sowie die hohe Flexibilität haben zu allgemeinen Ansprüchen geführt, die sich auch auf das Gesundheitssystem übertragen werden. In der Folge erwartet der Patient das Gleiche bei Interaktionen mit seiner Krankenversicherung und mit Ärzten, was er im Kontakt mit Dienstleistern der Privatwirtschaft erlebt. Innovationen gehen im Gesundheitswesen jedoch langsamer voran als in anderen Bereichen. Da die Digitalisierung im Gesundheitswesen im Kontext der allgemeinen Digitalisierung steht, fällt es Versicherten und Patienten zunehmend schwer, diese Langsamkeit zu akzeptieren. Der gefühlte Digitalisierungsrückstau wird immer größer – auch wenn immer mehr flächendeckende digitale Angebote im Gesundheitswesen zur Verfügung stehen und stehen werden.

    Der demografische Wandel erfordert auch digitale Antworten

    Des Weiteren stehen wir vor erheblichen Herausforderungen bedingt durch den demographischen Wandel, im Gesundheitswesen gepaart mit einem zunehmenden Fachkräftemangel in der medizinischen Versorgung und in der Altenpflege. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird sich bis 2030 um bis zu 30 Prozent auf circa 3,5 bis 4 Millionen erhöhen. Der Bedarf an zusätzlichen Pflegestellen beläuft sich auf mindestens 150.000, eher 200.000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2030. Gleichzeitig wird sich die Anzahl der Pflegekräfte trotz aller Anstrengungen nur schwerlich in gleichem Maße erhöhen lassen. Beim Bedarf an Ärzten zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Insbesondere im ländlichen Raum fehlt es zunehmend an jungen Ärzten, die Haus- und Facharztpraxen von älteren Kollegen, die in den Ruhestand gehen, übernehmen. Digitale Lösungen können den Arzt nicht ersetzen. Aber telemedizinische Angebote können Ärzte und Patienten durch neue Formen von Konsultationen und Betreuung im Versorgungsprozess unterstützen.

    Zahlreiche digitale Elemente können die administrativen Prozesse und Kommunikation zwischen Krankenkassen, Ärzten, Pflegediensten, Patienten und Angehörigen vereinfachen: von der eVerordnung im Heil- und Hilfsmittel-Bereich und dem eRezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel über den ePatientenbrief und das Einstellen von medizinischen Daten in elektronische Patienten- und Gesundheitsakten bis hin zur elektronischen Kommunikation der Pflegedienste mit Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten.

    Einem Aspekt sollte eine besondere Bedeutung zukommen: der Entlastung der Angehörigen von Patienten und Pflegebedürftigen, die die administrativen Prozesse im Gesundheitswesen nicht mehr selbst durchführen können. Angehörige besorgen Folgeverordnungen, machen Termine und vieles mehr. Digitalisierung stellt hier den Schlüssel zur Entlastung dar – dies ist bei einer Dreifachbelastung durch Beruf, Familie und Pflege besonders wichtig.

    Gleichwertige medizinische Versorgung in allen Teilen Deutschlands auf hohem Niveau zu schaffen, ist aus gesundheitspolitischer Sicht eine besonders wichtige Aufgabe. Telemedizin, Videosprechstunde, telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen, eVerordnung oder eRezept stellen die wichtigen Technologien und Ansätze dar, um den schon existenten Mangel von (Fach-)Medizinern und medizinischen Einrichtungen im ländlichen Raum zu kompensieren.

    Qualitätsverbesserungen und Effizienz schließen sich nicht aus

    Und zuletzt haben wir trotz des sehr guten Gesundheitssystems in Deutschland noch viel Potential in der Erhöhung der Qualität und der Wirtschaftlichkeit der Versorgung. Richtig verstanden eröffnet erst die Digitalisierung des Gesundheitswesens Chancen, Patienten eine aktivere Rolle im Versorgungsprozess zu ermöglichen, weil sie sowohl den Health Professionals als auch Patienten neue und für den Nutzer einfache Instrumente an die Hand gibt. Das Ziel, Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, wird leichter realisierbar und überwindet im besten Fall sektorale Grenzen. Gesundheitsakten oder ein digitales Entlassmanagement sind nur Beispiele für innovative Lösungen. Für die Qualität der Versorgung sind digital unterstützte und gemanagte Versorgungsprozesse ein Gewinn, da die Digitalisierung hilft, Versorgungsprozesse zielgenauer auszurichten und Patienten bei der Therapietreue unterstützen. Zudem hilft sie, Versorgung wirtschaftlich zu organisieren. 

    Sind wir mit den aktuellen gesetzlichen Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums zur Digitalisierung und den Aktenprojekten der Krankenversicherungen auf dem richtigen Weg?

    Grundsätzlich begrüße ich sehr, dass der Bundesgesundheitsminister der Digitalisierung im Gesundheitswesen eine hohe Bedeutung zumisst und die Weichen auf „Vorfahrt“ stellt. Damit rückt das Thema in den Fokus und schnellere Umsetzungen werden ermöglicht.  Die Patienten haben ein Recht von den Vorteilen digitaler Angebote profitieren zu können und die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten kann erwarten, dass Wirtschaftlichkeitsreserven, die mit der Digitalisierung gehoben werden können, auch realisiert werden. Die Aktenprojekte der Krankenversicherungen, im Fall der DAK-Gesundheit die Gesundheitsakte Vivy, haben ebenfalls beschleunigend gewirkt: mittlerweile steht die Digitalisierung bei allen Akteuren im Gesundheitswesen ganz oben auf der Agenda.

    Die Vorgabe des Gesetzgebers, dass alle gesetzlichen Krankenversicherungen ab Anfang 2021 eine elektronische Patientenakte gemäß den gematik-Spezifikationen ihren Versicherten zur Verfügung stellen müssen, erzeugt weitere Dynamik. Außerhalb von Expertenkreisen sind die Menschen allerdings selten in der Lage, Gesundheitsakten, die seitens der Krankenversicherungen über §68 SGB V finanziert werden und deren kundenzentrierte Ausgestaltung nur mäßiger Regulierung unterliegt, sowie Patientenakten, die gemäß §219a SGB V seitens der gematik inhaltlich genau spezifiziert sein werden, auseinander zu halten. Aus der Nutzerperspektive ist das auch gar nicht notwendig. Unsere Kunden haben den Anspruch, eine übergreifende Lösung für alles nutzen zu können, zum Beispiel eine App, die auch einfach und sicher sein soll. Technisch gesehen gehört aber noch etwas mehr dazu. Hier können sich in Zukunft die Patientenakte und die Gesundheitsakte Vivy ergänzen: Die Ärzte übertragen Daten gesichert in der Patientenakte, sie ist die Drehscheibe strukturierter Daten. Der größte Kundennutzen entsteht aber erst mit digitalen Versorgungs- und Leistungsangeboten. Dies wird eine Patientenakte alleine nicht leisten können. Daher setzen wir auf kundenzentrierte Lösungen wie Vivy. Hier können wir das hohe Entwicklungstempo halten, das der Kunde erwartet. Nur durch die durchgängige digitale Verknüpfung von Ärzten, Krankenhäusern, Patient und Krankenversicherung können nutzerorientierte digitale Angebote gestaltet werden. 

    Was wünschen Sie sich von der Politik? Wie sollte der gesetzgeberische Rahmen bzgl. der Digitalisierung im Gesundheitswesen aussehen? 

    Mittlerweile ist allen Beteiligten klar, dass wir einen Masterplan brauchen, der beschreibt, wie wir die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter entwickeln wollen. Dafür geht es erstmal um eine Grundsatzentscheidung: Wollen wir ein strikt durchreguliertes Konzept oder eines, das Freiräume beinhaltet und Wettbewerb zulässt? Das ist eine politische Frage, deren Antwort großen Einfluss auf die digitale Zukunft des Gesundheitswesens hat. Regulierung brauchen wir. Der Gesetzgeber sollte die Berücksichtigung internationaler Health Standards vorschreiben, damit der Austausch medizinischer Daten zwischen verschiedenen Geräten und Anwendungen klappt und die Forderung nach Interoperabilität und Kompatibilität eingelöst werden kann. Dies muss auch im Sinne der EU-weiten Initiativen gedacht werden. Der Datenschutz muss natürlich ebenfalls klar geregelt sein. Aber er darf kein Vorwand werden, unter dem wir uns auf technologische Insellösungen einlassen.

    Wir brauchen aber auch Freiräume innerhalb des festgelegten Rahmens. Nur mit inhaltlicher Gestaltungsfreiheit erreichen wir eine schnelle und patientenzentrierte Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. 

    Hier gilt es insbesondere, durch den Freiraum die Gestaltungsoptionen zu fördern und gleichzeitig der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit der Digitalisierung Rechnung zu tragen. Daher ist insbesondere die Qualitätsprüfung und -sicherung sowie der Zugang von neuen digitalen Behandlungs- und Versorgungsangeboten neu zu denken. 

    Zudem gilt es, den Gedanken vom mündigen und souveränen Bürgerkonsequent fortzuführen. Die Menschen sind informierter und wollen sich im Kontext der digitalen Möglichkeiten selber einbringen. Das bietet auch weitere Chancen, z.B. die Adhärenz zu stärken.  Eine Studie im Auftrag der DAK-Gesundheit, die wir gemeinsam mit der Ärzte Zeitung und EPatient RSD GmbH in 2018 durchgeführt haben, verdeutlicht z.B., dass nur ein Viertel der befragten Ärzte der sich aufzeigenden Veränderung des Arzt-Patientenverhältnisses skeptisch gegenüber steht.

    Kommen wir zur DAK-Gesundheit: Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für Sie als Krankenversicherer?

    Die DAK-Gesundheit als drittgrößte Krankenversicherung Deutschland sieht in der Digitalisierung die große Chance, im Gesundheitssystem deutliche Verbesserungen und Nutzen für die Versicherten zu realisieren. Und dies gestaltet sich mehrdimensional. Wir sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung für die Versicherten Verbesserungen sowohl in der Versorgungsqualität, der Pflege, der Präventionsleistungen als auch im Bereich der Prozesse/Abläufe und Strukturen bringen wird. In Summe wird die konsequente Kunden/Patientenorientierung auch eine klare Verbesserung der Lebensqualität- übrigens auch ein Nutzenwertungskriterium des G-BA – ergeben. Aber auch die Ärzte und Krankenhäuser werden von der Digitalisierung z.B. durch schnellere Diagnostik oder höhere Adhärenz der Patienten profitieren. Zudem können sich signifikante wirtschaftliche Kostenvorteile u.a. durch Effizienzen (s. McKinsey-Gutachten „Digitalisierung im Gesundheitswesen  2018“) ergeben.

    Diese Chance der Neugestaltung ergreifen wir h, in dem wir z.B. ein neues Konzept namens Pflegekompetenzzentrenentwickelt haben und aktuell implementieren. Die Patientenautonomie und –souveränität stärken wir mit der elektronischen Gesundheitsakte Vivy. Diese ermöglicht es den Versicherten, in eine neue Ära der Arzt-Patientenkommunikation einzusteigen, Doppeluntersuchungen zu reduzieren, Notfalldaten verfügbarzumachen und negative Arzneimittelwechselwirkungen zu erkennen – um nur wenige Aspekte zu nennen. Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, hat die DAK-Gesundheit bereits 2016 als erste bundesweite Krankenversicherung die Rolle des Chief Digital Officer eingerichtet und die Digital-Factory gegründet – beides mit dem Anspruch, die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen aktiv mitzugestalten.

    Zudem muss die DAK-Gesundheit im Wettbewerb der Versicherungen um den Kunden attraktiv bleiben: Konsequente Kundenzentrierung, hohe Serviceorientierung sowie qualitativ hochwertige Leistungen bei attraktivem Beitragssatz stehen im Vordergrund. Die Digitalisierung der Prozesse und das Angebot innovativer digitaler Produkte und Services sind hier entscheidend, um die Anforderungen der Versicherten zu erfüllen.

    Des Weiteren gilt es die internen Prozesse der DAK-Gesundheit zu optimieren und interne Wirtschaftlichkeitspotentiale zu heben. Hier spielt natürlich die Automatisierung und Digitalisierung nahezu aller interner Prozesse eine große Rolle.

    Aus diesen Gründen steht die Digitalisierung innerhalb der DAK-Gesundheit ebenfalls ganz oben auf der Agenda.

    Welche Ziele verfolgen Sie als CDO der DAK-Gesundheit und wie wollen Sie diese erreichen?   

    Wir verfolgen für unsere Kunden und unser Unternehmen das Credo  „Digitalisierung mit Herz und Verstand“. Dies bedeutet, dass wir nicht alles digitalisieren wollen, was technisch möglich ist. Es steht immer der Kundennutzen im Vordergrund. Wir verfolgen ambitionierte Ziele und wollen langfristig Deutschlands bester Krankenversicherer werden. Die Chancen aus der Digitalisierung werden wir konsequent nutzen, um unseren Kunden ein Leben lang zur Seite zu stehen, sei es, um gesund zu bleiben oder bei Krankheit oder Pflege individuelle Lösungen zu finden. 71% der Befragten in der von Rochus Mummert durchgeführten Studie Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft 2018gehen davon aus, dass mit der Digitalisierung die Qualität der Patientenversorgung steigt. 82% der Befragten sind überzeugt, dass viele unnötige Untersuchungen/Behandlungen durch die Digitalisierung in großem bis in vollem Umfang vermieden werden könnten. 

    Die Digitalisierung ist hier der Schlüssel zum Erfolg: die Vernetzung der Partner und die individuelle Ansprache der Versicherten durch digitale Medien sind die Treiber. Daher werden wir konsequent die digitalen Touchpoints ausbauen und unseren Versicherten den Service bieten, den sie von uns erwarten.

    Wir sind auch überzeugt davon, dass die Digitalisierung ein enormes Potential hat, die medizinische Versorgung weiterzuentwickeln. Hier werden wir weiter am Ausbau unseres digitalen Ökosystems mit Patientenakte und digitalen Versorgungsstrukturen arbeiten.

    Wie gestalten sie den Digitalen Wandel innerhalb Ihres Unternehmens? 

    Wir verfolgen in der DAK-Gesundheit einen hybriden Ansatz, d.h. zum einen digitalisieren wir die Prozesse hin zum Kunden und optimieren gleichzeitig damit die internen Prozesse.  Andererseits ist uns auch klar, dass wir viele Kunden haben, die auch in fünf Jahren noch einen Brief von uns erhalten wollen – darauf stellen wir uns ebenso im Rahmen des Omnikanalmanagements ein.

    Um den notwendigen digitalen Wandel im Unternehmen zu beschleunigen, haben wir schon 2016 einen internen Inkubator gegründet: die Digital-Factory der DAK-Gesundheit. In ihr haben wir die digitalen Kompetenzen gebündelt und bauen diese mit Hochdruck kontinuierlich aus. In der Digital-Factory werden auch neuen Formen der Zusammenarbeit, agiles Projektmanagement, Kreativtechniken und vieles mehr eingesetzt und von dort ins Unternehmen getragen. Dies geschieht unter Anderem mittels Multiplikatoren, sogenannten Digital Experts. Diese tragen ihr Methodenwissen und Erfahrungen gezielt in die Fachbereiche der DAK-Gesundheit. 

    Die Digitale Transformation steuern wird über insgesamt acht Digitalisierungsdimensionen: 

    Digitale Leadership, Digital Mindset, Digitale Strategie, Digitale Kundenbeziehungen, Digitale Produkte und Dienstleistungen, Digitale Prozesse, Vernetzte Zusammenarbeit sowie Digitales Transformationsmanagement.

    Diese geben uns Orientierung und die Möglichkeit darauf zu achten, dass in allen Dimensionen ausgewogen Fortschritte erzielt werden. Darüber hinaus haben wir strategische Handlungsfelder festgelegt, auf die unseren Maßnahmen einzahlen müssen.

    Im Ergebnis erleben wir, dass der digitale Wandel in unserem Unternehmen in vollem Gange ist: neue Formen der Zusammenarbeit und agile Projektmanagementmethoden werden zunehmend zum Standard im ganzen Unternehmen, der Digital Mindset unserer Mitarbeiter wird zunehmend ausgeprägter.

    Dieser Wandel ist aber auch mit deutlichen Herausforderungen verbunden: in einer VUCA-Welt mit hoher Komplexität und Unsicherheit treffen klassische Managementmethoden unserer traditionell hierarchischen Organisation auf neue, agile Methoden horizontaler und oftmals hierarchiefreier Strukturen. In der Konsequenz ist also auch das Führungs- und Steuerungssystem der DAK-Gesundheit an die neuen Erfordernisse anzupassen.

    Induziert durch den Digitalen Wandel unterliegt die gesamte Unternehmenskultur der DAK-Gesundheit aktuell einer starken Veränderung. Hierbei ist die stringente Kundenorientierung ein Haupttreiber – ein weiterer ist die geforderte Fähigkeit von Mitarbeitern, ganzheitlich zu denken und in Teams eigenorganisiert zu entscheiden. Konsequente Kundenorientierung und agile Managementmethoden sehe ich als wesentliche Erfolgsfaktoren.

    Den Digitalen Wandel der DAK-Gesundheit zu befruchten und zu beschleunigen ist ein zentrales Anliegen der Digital-Factory, wozu unser Ziel, die in verschiedenen Formaten generieren wir gemeinsam mit unseren Kunden Ideen und schaffen Innovationen – wobei sich hierzu die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DAK-Gesundheit fachbereichs- und hierarchieübergreifend aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen finden. Eine tägliche Berichterstattung im Intranet sorgt zu diesen Initiativen, die meist Boot- oder BarCamps sind, für eine maximale Transparenz im Unternehmen – verbunden mit dem Aufruf zur Beteiligung. Es ist wunderbar zu sehen, wie die Teilnehmer dieser Boot- oder BarCamps ihre Begeisterung in ihre originären Arbeitsgruppen und Abteilungen mitnehmen und so der digitale und kulturelle Wandel des Unternehmens Gestalt annimmt.

    Am Ende des Tages lassen sich jedoch nur so viele digitale Initiativen realisieren, wie es der Reifegrad des Unternehmens und insbesondere derjenige der Menschen im Unternehmen zulassen. Um hier schnelle Fortschritte erzielen zu können, bedarf es also der ausgewogenen Entwicklung aller acht angesprochenen Digitalisierungsdimensionen.

    Im Ergebnis profitierten unsere Versicherten und Kunden bereits heute deutlich von dem digitalen Wandel der DAK-Gesundheit: die DAK Service APP, d.h. unsere Geschäftsstelle für die Hosentasche, unsere elektronische Gesundheitsakte Vivy, unsere zahlreichen digitalen Versorgungsprodukte sowie unsere nutzerzentrierten digitalen Kundenprozesse werden sehr positiv von unseren Versicherten angenommen. Wir sehen im letzten Jahr einen sehr starken Anstieg in der Nutzung digitaler Kanäle in der Kommunikation mit der DAK-Gesundheit und in der Nutzung unserer digitalen Kundenprozesse.

    Dies zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es zeigt uns aber auch, dass wir als Krankenversicherung den Kundenbedürfnissen im Kontext einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft noch weitreichender Rechnung tragen müssen. 

    Lassen Sie uns nochmal abschließend über die Digitalisierung im Gesundheitswesen übergeordnet sprechen. Welche zentrale Herausforderung sehen Sie? 

     

    Wir müssen die Digitalisierung im Gesundheitswesen in einem größeren gesellschaftlichen Kontext diskutieren. Aktuell stehen noch zu oft Einzelaspekte wie Patientenakten oder das elektronische Rezept im Vordergrund, die dazu führen, dass die Akteure im Gesundheitswesen, Versicherte und Patienten den Zusammenhang oft nicht erkennen. Wir führen die Digitalisierung im Gesundheitswesen ja nicht zum Selbstzweck durch oder weil die Technologien so schön sind. Um dies innerhalb der DAK-Gesundheit zu verdeutlichen, haben wir für uns das Credo „Digitalisierung mit Herz und Verstand“ gewählt.

    Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird einen erheblichen Beitrag leisten die großen Herausforderungen zu bewältigen, die mit dem demographischen Wandel und dem verbundenen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen einhergehen. Hierzu gehört auch das Heben der Potentiale zur Erhöhung der Qualität und Wirtschaftlichkeit, da durch den demographischen Wandel und medizinischen Fortschritt die Kosten der Versorgung der Versicherten-gemeinschaft stetig steigen werden. 

    Daher ist es notwendig einen Handlungsrahmen aufzuspannen, der die Einbettung der Digitalisierung im Gesundheitswesen in unsere gesellschaftlichen Herausforderungen vornimmt und verständliche Ziele aufzeigt.

    Ich sehe dies als wichtig an, um seitens aller Akteure im Gesundheitswesen die notwendige Bereitschaft für Veränderungen herzustellen und die Digitalisierung mit der gebotenen hohen Geschwindigkeit vorantreiben zu können. 

Franz-Helmut Gerhards
Chief Digital Officer (CDO)
DAK Gesundheit

Detlef Herzog
DAK Gesundheit

Aktuelle Rezension

Buchcover

Ansgar Koreng, Matthias Lachenmann (Hrsg.): Formularhandbuch Datenschutzrecht. Verlag C.H. Beck (München) 2018. 2. Auflage. 1042 Seiten. ISBN 978-3-406-69542-1.
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