social-software - Softwarelösungen für die Sozialwirtschaft

Beispiel einer Unternehmensgründung - als Familie für Familien

13.04.2015 | Neues aus Unternehmen

Um in seiner Arbeit als Sozialpädagoge weniger Papierkram und mehr Zeit für Familien in Not zu haben, hat Said Seltmann gemeinsam mit seinem Schwager eine Software neu entwickelt. Ein Jahr lang hat mancher Sonntagnachmittag im Kreis der Familie darunter gelitten. Das Ergebnis, „Steinpilz Risotto“, spart in der ambulanten Hilfe wertvolle Zeit. Von Eva Weber Said Seltmann ist rund um die Uhr erreichbar. Denn es kann immer sein, dass einer seiner Schützlinge „auf Trebe“ ist, wie man in der Jugendhilfe sagt - dass eines der Kinder, um die sich der 38-Jährige Sozialpädagoge kümmert, von Zuhause abhaut. Ausnahmesituationen für die Familie, ein bürokratischer Vorgang für das Jugendamt. Dazwischen: Said Seltmann und sein Kinder- und Jugendhilfeträger future generation. Dass Said Seltmann am liebsten selbst anpackt, um Dinge besser zu machen, zeichnet sich in seiner Jugend in Cottbus früh ab: 1996 ist er Mitbegründer des soziokulturellen Zentrums „Haus der Wahrheit“, später pflegt er in London Menschen mit Behinderung, bevor er sich 2001 entschließt, Sozialpädagogik zu studieren - und nebenbei in der Kinder- und Jugendhilfe zu arbeiten. Nach einigen Jahren im stationären Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und als Hausleiter einer teilstationären Einrichtung packt Said Seltmann die Lust, selbstständig Hilfe auf die Beine zu stellen. Er lässt sich zum Anti-Agressivitäts-Trainer weiterbilden und bietet seit 2011 mit „future generation“ ambulante und stationäre Hilfe an. Dazu gehören Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen sowie eine eigene stationäre Einrichtung. An seinen ersten Fall erinnert er sich noch genau: „Das war eine Kriegsflüchtlingsfamilie aus dem Irak. Dort habe ich schnell gemerkt, dass ich mit meinem Migrationshintergrund in solchen Fällen einen großen Vorteil habe.“ Said Seltmanns Vater stammt aus dem Iran, seine Mutter ist Deutsche - ein Umstand, der ihm viele Fälle mit Migrationshintergrund beschert hat. Herausfordernde Fälle, und damit auch viel Bürokratie. „Am Anfang war ich für alles zuständig: Ich war Geschäftsführer, Sekretärin, Sozialarbeiter, Putzfrau“, erinnert sich Said Seltmann an die erste Zeit in der eigenen Firma. „Da kommt man schnell an die Grenzen. Und dann wirds bei Kriseninterventionen schwierig, wenn du mitten in der Nacht völlig übermüdet die Dokumentation machen willst. Oder du versuchst, sie dir Tage später zusammenzureimen. So entstehen Fehler. So wollte ich nicht weitermachen.“ Während seine Firma wächst - heute hat die Cottbuser future generation zehn Mitarbeiter -, ist Seltmann selbst zunehmend enttäuscht vom vielen Dokumentationsaufwand und den wenigen Möglichkeiten der Zeiterfassung. Seine Suche nach einem Programm, das ihm die Arbeit erleichtert und damit mehr Zeit für die Hilfe in den Familien schafft, liefert nur unbefriedigende Ergebnisse. „Es gab einfach keine leicht bedienbare, onlinebasierte Software - dabei wäre das in unserem Beruf so wahnsinnig praktisch“, sagt Seltmann. Damit er Familien besser helfen kann, bittet er in seiner eigenen Familie um Hilfe. „Mein Schwager Yury ist Programmierer. Also habe ich ihm mein Problem beschrieben und gefragt: ,Geht da was?‘, und er sagte: ,Na klar!‘.“ Yury Filipovich ist damals gerade mit seiner Frau aus Weißrussland nach Deutschland gekommen. Vorerst lebt er bei seiner Schwester und seinem Schwager in Cottbus. Ein Jahr lang entwickelt die Familie hier am Feierabend eine Software von Sozialpädagogen für Sozialpädagogen, „und das war ein harter Fight“ sagt Seltmann. „Der Sozialpädagoge will alles, alles, alles drin haben - der Programmierer so wenig wie möglich.“ Auch Filipovich hat die Entwicklung als große private Herausforderung in Erinnerung: „Wo endet die Arbeit, wo beginnt die Familie? Da kam es schon mal vor, dass wir sonntags im Garten wieder davon geredet haben. Aber: Es hat sich gelohnt“, sagt der 30-Jährige heute. Um ein Gespür für die Anforderungen eines Sozialpädagogen an eine Software zu bekommen, arbeitete Filipovich in der Entwicklungsphase mit seinem Schwager im Büro. „Wenn du ein gutes Programm schreiben willst, solltest du den Job wirklich gut kennen“. Die speziellen Bedürfnisse, zum Beispiel an einen Kalender, lassen sich mit keiner Standardsoftware bedienen. Deshalb schreibt Filipovich jede Zeile des Codes neu. Das Ergebnis haut seinen Schwager glatt um: „Die Software zum ersten Mal zu benutzen war einfach nur: geil!“, erinnert er sich heute. „Sonst habe ich ne Ewigkeit gesessen, jetzt mache ich die Dokumentation am Smartphone direkt nach dem Termin in wenigen Minuten.“ Das spare ihm fünf Stunden pro Woche, schätzt Seltmann. Gemeinsam tüfteln die beiden 2012 noch letzte Verbesserungen aus, bevor sie ihre Software auch anderen Sozialpädagogen zur Verfügung stellen. „Steinpilz Risotto“ heißt das Familienprojekt schließlich. „,Steinpilz‘ wird die Familie meiner Frau in der Weißrussland scherzhaft genannt, weil sie alle ein wenig, naja, untersetzt sind. Außer meine Frau!“, erzählt Said Seltmann mit einem Schmunzeln. Und „Risotto“ als Name für die Software der Marke Steinpilz gefällt allen Beteiligten sofort. Und nicht nur denen: Seit fünf Monaten arbeitet Sozialpädagoge Christian Prengel mit „Risotto“. „Wir haben seit Jahren nach einer Software gesucht, die das Abrechnungsverfahren vereinfacht und Controlling ermöglicht“, sagt der Bereichsleiter ambulante Arbeit bei Domizil Leuchtturm im brandburgischen Wiesenburg / Mark. Die Einrichtung hat ihren Schwerpunkt in der stationären und ambulanten Hilfe zur Erziehung. Prengel hat sich viele verschiedene Angebote angesehen. „Die hatten alle jede Menge Details, die man in der Praxis gar nicht braucht, und waren schon deshalb sehr kompliziert. Zu kompliziert für Kollegen, die keine Sofware-Experten sind.“ Durch Zufall stieß er auf „Risotto“, als er eigentlich schon mit dem Gedanken spielte, in Zukunft einfach weiter mit Zettel und Stift zu arbeiten. „Die Software nutzen wir im ambulanten Bereich. Hier unterstützt uns das Programm in der Koordination, in der Abrechnung, in der Dokumentation und dem Controlling des Arbeitsbereiches,“ sagt Prengel. Und: „Das Programm ist leicht bedienbar, verwendet ausschließlich sinnvolle Verknüpfungen, erschließt sich gut von selbst und ist preislich sehr attraktiv, weil man nur die Zugänge bezahlt. Da kommen dann eben nicht am Ende des Jahres nochmal 5000 Euro auf dich zu.“ Für „Risotto“ wird monatlich abgerechnet, und es ist kein Abo - kann also jederzeit gekündigt werden. Zudem ist es onlinebasiert, kann also überall da, wo der Nutzer Internetzugang hat, genutzt werden. Für Prengel als Bereichsleiter ist die Software eine echte Hilfe. „Für das Controlling ist das Programm super. Ich sehe auf einen Blick ,Hey, da läuft ein Hilfeplan aus‘ und kann viel schneller reagieren als zuvor“, sagt der Sozialpädagoge, „eine qualitative Verbesserung meiner Arbeit.“ Und: Die besonderen Angebote, die seine Einrichtung bietet, werden nachträglich programmiert. „Das war genau ein Anruf, dann ging es los“, erinnert sich Prengel. Mit dem Feedback von Nutzern wie Christian Prengel geht die Entwicklung von „Risotto“ stetig weiter. So lange, bis Familien überall von diesem Familienprojekt profitieren können - ob in der ambulanten oder stationären Hilfe. Weitere Informationen www.stein-pilz.com

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Buchcover

David Matusiewicz, Christian Pittelkau, Arno Elmer (Hrsg.): Die Digitale Transformation im Gesundheitswesen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2017. 355 Seiten. ISBN 978-3-95466-326-2.
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